Jede Geschichte ist ein System unter Druck. Hier definierst du, was dieses System trägt — und was es in sich birgt, das es zerstört. Alles andere folgt daraus.
Worum geht es wirklich? Nicht die Handlung — der Widerspruch, aus dem alles folgt.
Wer lebt in welcher Ordnung zu Beginn? Die scheinbare Normalität, die bereits brüchig ist.
Was ist bereits gebrochen, bevor die Geschichte beginnt? Die Spannung, die nach Entladung sucht.
Systemdiagnose
Der Spannungsbogen als System
Plot ist das Drucksystem, das auf Figuren wirkt. Jede Phase hat eine eigene Drucksignatur — von latenter Spannung bis zum Kipp. Hier verortets du die fünf Stationen deiner Geschichte.
Bogen-Übersicht
Fülle mindestens eine Phase aus, um die Übersicht zu sehen.
Szene öffnen
Szenendruck
Wie fühlt sich die Szene gerade an?
Druck
Position im Bogen
Welcher Phase gehört diese Szene an?
Figurenarbeit
Wähle eine Figur, um ihren Auslöser, Kipppunkt und Eskalationsmuster zu analysieren. Die Systemrolle bestimmt ihre strukturelle Funktion im Bogen.
Neue Figur
Noch keine Figuren. Füge eine hinzu, um zu beginnen.
Was passiert zwischen ihnen?
Beziehungsveränderungen nach der Szene — was verschiebt sich? Beziehungen sind die Lastpfade, über die der Systemdruck wandert.
Mindestens zwei Figuren braucht es für Beziehungsarbeit.
Passt das Ende wirklich?
Ende
Gespeicherte Szenen
Noch keine Szenen gespeichert.
Acht Werkzeuge
Jedes Modul ist für eine konkrete Situation. Wähle, was gerade gebraucht wird.
1
Bruchstellen-Audit
Wann: Nach dem ersten Draft, vor Revision
15–20 min
1
Liste deine Hauptfiguren — eine pro Zeile.
2
Für jede Figur: Wo versagt ihr System? Wann ist sie nicht Herr der Lage?
3
Zeigst du die Bruchstelle in der Geschichte?
4
Wenn nein oder kaum: Welche 2–3 Szenen könnten die Bruchstelle zeigen?
Beispiel (Eren):
Bruchstelle: Kann nicht zur Ruhe kommen
Szene 1: Sitzt am Lagerfeuer, kann nicht stillsitzen
Szene 2: Nach der Schlacht — geht sofort zum nächsten Ziel
Szene 3: Lacht hysterisch bei Trauma
2
Kohärenz-Check
Wann: Wenn etwas nicht stimmt, du weißt aber nicht was
10 min
1
Welche Szene fühlt sich falsch an?
2
Wie hat diese Figur bisher immer auf ähnliche Situationen reagiert? (2–3 frühere Szenen)
3
Ist die neue Reaktion ein Entwicklungsschritt — oder plot-getrieben?
Häufiger Fehler: Figur A (normalerweise impulsiv) verhandelt plötzlich diplomatisch. Ohne Grund → Szene umschreiben oder Grund zeigen.
3
Ende-Prüfung
Wann: Vor dem finalen Draft
20 min
1
Wie endet deine Hauptfigur?
2
Folgt das Ende aus der Bruchstelle der Figur?
3
Was zeigst du, wenn Heilung oder Eskalation?
GoT-Beispiel (Daenerys):
Problem: Eskalation zu abrupt. Bruchstelle: Verlust von Kontrolle.
Was fehlte: Frühwarnsignale, Dekompensationsmomente, steigende Isolation.
4
Beziehungs-Passung
Wann: Beziehungen fühlen sich flach an
15 min
1
Zwei Figuren, die eine wichtige Beziehung haben (sollten)
2
Bruchstelle und Hauptbedürfnis beider Figuren
3
Welcher Beziehungstyp liegt vor?
Eren & Mikasa: Inkompatibel.
Eren braucht Bewegung/Freiheit — Mikasa braucht Verbindung/Sicherheit.
Mikasa hält ihn → Eren fühlt sich gefangen. Beide leiden, keiner versteht warum. Das funktioniert, weil es thematisiert wird.
5
Trigger-Mapping
Wann: Du planst eine emotionale Szene
10 min
1
In welcher Szene soll die Figur emotional reagieren?
2
Was ist der Trigger? Nicht: was passiert — sondern: was davon trifft die Bruchstelle?
3
Ist dieser Trigger bereits etabliert?
Eren — Hannes' Tod:
Trigger: Ohnmacht (kann nichts tun).
Etabliert: Ja — Tod der Mutter, Tribunal, Höhle.
Konsistente Reaktion: Hysterisches Lachen (nicht: traurig weinen).
6
Eskalations-Tracker
Wann: Figur soll sich verschlechtern / eskalieren
20–30 min
1
Welche Figur eskaliert? Vom Startpunkt zum Endpunkt:
2
Für jede Phase — 3 Marker-Typen:
Phase 1
3
Sind die Marker gleichmäßig über die Geschichte verteilt — oder häufen sie sich am Ende?
Wann: Der Bogen fühlt sich unvollständig oder zufällig an
15–20 min
1
Nenne für jede der fünf Bogenphasen eine konkrete Szene, die sie verkörpert.
2
Welche Phase wirkt dünn, fehlt, oder hat keine klare Szene?
3
Was müsste hinzugefügt oder ausgebaut werden, um die Lücke zu schließen?
Häufige Lücke — P3 (Druckaufbau):
Oft zu dünn. Die Geschichte springt von Störung direkt zum Kipppunkt.
Was fehlt: gescheiterte Versuche, das System zu stabilisieren. Jeder Versuch muss es schlimmer machen — oder die Figur weiter isolieren.
8
Szenen-Funktion-Check
Wann: Vor der Revision — überflüssige Szenen erkennen
15 min
1
Welche Szene fühlt sich überflüssig oder zäh an?
2
Welcher Bogenphase gehört sie an?
3
Was würde fehlen, wenn du diese Szene weglässt? Gibt es eine andere Szene, die dasselbe tut?
4
Entscheidung
Faustregel:
Jede Szene sollte mindestens zwei Dinge gleichzeitig tun: Plot bewegen und eine Figur zeigen und/oder eine Beziehung verändern. Szenen, die nur eine Funktion haben, sind Kandidaten zum Kürzen oder Zusammenführen.