01 Der Ansatz
Ground in ist ein Orientierungs- und Übersetzungsrahmen theoretisch-konzeptueller Modellforschung zur Regulations- und Funktionsfähigkeit in komplexen, unterversorgten Kontexten.
Die Modelle adressieren Passungsprobleme in Person-Umwelt-Systemen: Widersprüchliche Anforderungen, hohe Reizdichte, unklare Zuständigkeiten, knappe Ressourcen.
02 Funktionsdenken
Funktionsanalyse ist angebunden an:
- Ingenieurwissenschaften
- Systemtheorie
- Arbeits- und Ergonomiewissenschaft
- später formalisiert u. a. in der ICF (als Anwendungsfall)
Funktionsanalyse beschreibt die systematische Untersuchung dessen,
was ein System unter bestimmten Bedingungen tut – unabhängig von normativen Zuschreibungen, Disziplinlogiken oder identitätsbezogenen Kategorien.
Der Begriff System umfasst dabei u. a.:
- technische Systeme
- organisationale Strukturen
- soziale Konstellationen
- menschliche Funktionssysteme
- hybride Mensch-Umwelt-Systeme
Analytischer Fokus
Untersucht werden funktionale Relationen wie:
- Inputs (Reize, Anforderungen, Ressourcen, Umweltbedingungen)
- Verarbeitungsprozesse (Transformation, Regulation, Rückkopplung)
- Kapazitäten & Constraints (Belastbarkeit, Begrenzungen, Abhängigkeiten)
- Resultierende Zustände (Stabilität, Instabilität, Übergänge)
- Funktionale Outputs (Wirkungen, Folgen, Anschlussmöglichkeiten)
03 Erkenntnistheoretische Verortung
Das Modell arbeitet mit drei epistemologischen Grundannahmen:
Konstruktivistisch
Wissen wird nicht entdeckt, sondern modelliert.
Modelle sind Werkzeuge zur Orientierung, keine Abbildungen einer objektiven Realität.
Sie werden danach beurteilt, ob sie tragfähig sind – nicht, ob sie „wahr" sind (vgl. von Glasersfeld, 1995; Bateson, 1972; Luhmann, 1984).
Funktionalistisch (nicht normativ)
Der Fokus liegt auf Funktionen, Bedingungen und Wirkungen. Die Unterscheidung ist:
Was trägt unter welchen Bedingungen? Was trägt nicht? (vgl. ICF/WHO, 2001; pragmatistische Tradition nach James, Dewey).
Kontextualistisch
Es gibt kein isoliertes Individuum, das unabhängig von seinen Kontexten verstanden werden kann (vgl. Bronfenbrenner, 1979; ökologische Systemmodelle).
04 Theoretische Anschlussstellen
- Gesundheitsmodelle (Salutogenese (Antonovsky, 1979)
Kohärenzgefühl, Handhabbarkeit als zentrale Ressource - Funktionsverständnis (ICF, WHO, 2001)
Funktion als Ergebnis von Person-Umwelt-Interaktion - Stressforschung / Allostase / allostatische Last (McEwen, 1998)
Kumulative Belastung, Anpassungskosten - Affektregulation, Emotionsregulationsforschung (Gross, 2015)
Strategien, Zustandsabhängigkeit, Kapazitätsgrenzen - Kognitive Kontrolle/ Exekutivfunktionsforschung
Zustandsabhängige Verfügbarkeit, Ressourcenmodelle - Embodiment/ Embodied Cognition (Varela et al., 1991)
Körper als Teil kognitiver Prozesse - Systemdynamik, Nichtlineare Dynamik, Komplexitätstheorie
Schwellen, Kipppunkte, Hysterese
05 Systemarchitektur als Übersetzung
Als zweiten Schritt, nach der Analyse, werden die Erkenntnisse übersetzt und strukturiert.
Im Sinne von Systems Architecture bedeutet das:
- Definition funktionaler Bausteine
- Beschreibung ihrer Beziehungen
- Modellierung von Übergängen zwischen Zuständen
- Identifikation von Stabilitäts- und Belastungsbedingungen
Übertragen auf menschliche Systeme entsteht keine Steuerungslogik, sondern eine Orientierungsarchitektur.
Anschlussfähig u. a. an:
- Systems Engineering (ISO/IEC/IEEE 42010 – konzeptuell)
- Soft Systems Methodology (Checkland)
- Human Systems Architecture